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Das Lehrerzimmer

  • nihanthparcha
  • 8. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

 Was tun Lehrpersonen im Lehrpersonenzimmer? 

Jeder kennt die Mythen um das Lehrpersonenzimmer und nur die wenigsten Schüler*innen haben es je von innen gesehen. In der Sekundarschule Rosental befindet es sich im dritten Stock. Wer jetzt aber gedacht hat, dass es sich nur um ein langweiliges, nach Kaffee riechendes Kämmerchen handelt: ja fast. 

Unser erster Eindruck, als wir das Lehrpersonenzimmer betreten haben, war eher eine Frage: Wo ist die Kaffeemaschine? Der Raum riecht tatsächlich ziemlich nach Kaffee. Laut lehrpersonennahen Quellen befindet sich die Maschine aber woanders. Das komplette Zimmer ist holzverziert, das Zimmer sieht aber trotzdem langweilig aus, es hängen keine Bilder an der Wand.  (kein Wunder es ist ein Zimmer eingerichtet und bewohnt von Lehrerpersonen) Die Lehrpersonen haben dort ihre Fächer, in welchen sie Unterlagen aus der Verwaltung bekommen. Meistens sind dort aber unsere Handys zu finden, welche uns auf dem Schulgelände abgenommen wurden. In der Ecke stehen ein paar Couches, auf welchen laut anonymen Quellen auch ausgedehnte Nickerchen gehalten werden  

Doch jeder will wissen, was die Lehrpersonen eigentlich darin machen.  Ein paar denken, dass sie darin nur Kaffee trinken und essen, bis der Koffeinkick sie wieder in die nächste Stunde treibt, Smalltalk machen und über Schüler*innen herziehen. Andere denken, sie würfeln die Noten von dem Schüler*innen aus und überlegen sich, was sie tun können, um Schüler*innen zu quälen. Und wieder andere gehen davon aus, dass sie sich über die neuesten KI-Technologien austauschen, welche die Unterrichtsvorbereitung abkürzen oder vorgefertigte Tests schreiben.  

Doch wir haben beschlossen, die Lehrpersonen mal persönlich zu fragen. Es folgt ein absolut wahrer investigativ-spekulativer Bericht, der von uns keinesfalls übertrieben wurde und zu 100% ernst genommen werden sollte. Auch wurden die Aussagen und Antworten von Lehrpersonen auf keinen Fall verändert. Andere Printmedien würden dafür ein Abo verlangen. Aber wir sind mal so nett. 

Das Lehrpersonenzimmer – ein pädagogisches Ökosystem (bald nominiert für den Pullitzerpreis) 

Wir haben uns gewagt, was vor uns nur wenige konnten: 

Das Betreten des Lehrpersonenzimmers, dieser heilige Ort, in dem Lehrpersonen ihre Superkräfte regenerieren, Kaffee opfern und sich von dem erholen, was die Schüler*innen ihnen angetan haben. Wir haben recherchiert. Beobachtet. Dokumentiert. Eventuell dramatisiert. Aber nur ein bisschen. Vielleicht. 

Allgemeiner Eindruck 

Beim Betreten herrscht laut Lehrpersonen ein Klima, das einzigartig ist. Eine Mischung aus: Koffeinwolken, leichter Verzweiflung, Hoffnung auf Ferien (jede Lehrperson weiss IMMER, wie lang es noch bis zu den nächsten Ferien ist), einer Spur Hauswirtschaftsschoggi.  Ein Touristenführer würde sagen: „Hier sehen wir Lehrpersonen in ihrer natürlichen Umgebung – verwirrt, hungrig, koffeinabhängig.“  

Fest- und Flüssignahrung 

Kommen wir zuerst zur nahrungstechnischen Grundversorgung in diesem lebendigen Biotop. Man findet verschiedene Orte, welche zur Nahrungsaufnahme taugen. Dort liegen: mysteriöse Kuchenreste (Quelle unbekannt, Haltbarkeit fragwürdig), ein Teller Bruschetta von „irgendeiner 2. Sekundarklasse“, Brot, das gleichzeitig Lehrmaterial und Nahrungsmittel sein könnte und Schokostücke, die spontan entstehen, wenn niemand hinsieht. Man weiss nicht, ob man es essen darf. Oder ob es ein Experiment ist. Aber Lehrpersonen essen es trotzdem. Evolution ist gnadenlos. 

Es folgt nun das Allerwichtigste: Kaffee. Viel Kaffee. Die Küche beherbergt die offizielle Kaffeemaschine: ein graues Ungetüm, das gelegentlich Kaffee ausspuckt, aber laut leidenden Lehrpersonen (mehrheitlich Herr CaO, Name der Redaktion bekannt) öfter blinkt, keine Lust hat, kein Wasser mehr hat, kein Kaffee mehr hat oder Fehlermeldungen anzeigt, welche gar nicht existieren sollten. Herr CaO scheint ausserdem exzessiver Nutzer der Maschine zu sein. 

VIP’s und Abwesende 

Es gibt einige Lehrpersonen, welche scheinbar nicht von der für die Allgemeinheit bestimmen Maschine abhängig sind. Zwei davon sind die Herren RsT und DrD (Namen der Redaktion bekannt). Gerade wenn man denkt, die Maschine sei tot, passiert es. Die beiden Lehrpersonen betreten laut mehreren Augenzeugenberichten mit einer Eleganz das Zimmer, welche man sonst nur in Tierdokumentationen über seltene Tiere sieht, man könnte es fast gazellengleich nennen. Und immer haben sie schon einen Kaffee in der Hand, obwohl sie aus der entgegengesetzten Richtung der Küche kommen. Scheinbar scheinen sie eine alternative Quelle gefunden zu haben. Der Standort bleibt auf Nachfrage geheim, trotzdem haben wir eine Vermutung, was uns zum nächsten Thema bringt. Wer ist überhaupt im Lehrpersonenzimmer? Oder besser gefragt: Wer nicht? 

Wir nennen sie mal die die Büro-Eremiten. Manchmal fragt man sich: „Unterrichten die überhaupt hier?“ Ja. Wahrscheinlich schon. Einige Lehrpersonen waren sich da aber nicht ganz sicher. 

Sie entwickeln lieber Büro-Habitate, komplett mit Pflanzen, die überlebt haben, Aquarien und geheimen Kaffeequellen (siehe oben). Sie tauchen im Lehrpersonenzimmer auf wie Wildtiere am Wasserloch: schnappen sich Kuchen, nicken, verschwinden wieder. 

Gesprächsthemen und Fazit 

Auch bei den Gesprächsthemen berichten die Lehrpersonen, dass unsere Annahmen gar nicht so falsch seien. Öfter gleichen die Pausen intensiven Therapiestunden. Mal wird eine Lehrperson von einem Nervenzusammenbruch kuriert, mal wird gemeinsam gelitten und schlimme Erfahrungen ausgetauscht. Laut einer Quelle fühlen sich manche besser, wenn auch andere eine Klasse nicht in den Griff bekommen. Das gemeinsame Lästern über manche Klassen scheint Usus zu sein, der entrüstete und schockierte Blick auf diesen Vorwurf entlarvte die meisten der angefragten Lehrpersonen auf der Stelle. 

Sonst kann man noch festhalten, dass anscheinend viel gesucht wird. Stifte, Prüfungen, Brillen, Schlüssel (hier gibt es laut Lehrpersonen einige Experten). Meistens haben die Lehrpersonen das verschwundene Material auf dem Kopf oder noch in der Hand. Fassen wir zusammen:  

Das Lehrpersonenzimmer ist ein Snack-Dschungel, ein Kaffee-Kultort, eine soziale Wildzone, ein Ort der Flucht und der Hoffnung und ein schwarzes Loch für Stifte. Also alles in allem ein Wunder der Pädagogik. 

Und manchmal, aber wirklich nur ganz ganz selten, hat jemand dort tatsächlich Pause. 

 

 

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